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Letzte Aktualisierung:
13-Jul-2015
... über Windows

Vorwort:
1. Windows ist nicht bereits als das auf die Welt gekommen, was es heute ist. Dieses weltweite "Fast-Monopol" auf dem kommerziellen OS-Markt ist erst im Laufe der Zeit und durch überaus geschicktes Marketing entstanden. Die meisten der heute 25-30 Jährigen Computerbenutzer haben überhaupt erst Windows 95 kennengelernt.
2. Einen großen Teil seiner bisherigen Existenz hat Windows nicht als Betriebssystem, sondern als grafische Benutzeroberfläche (GUI) auf der Grundlage von MS-DOS verbracht. Erst 8 Jahre nach der ersten Version, also im Jahre 1993, erblickte ein neues Familienmitglied mit der Bezeichnung "Windows NT" das Licht der Welt. Noch weitgehend kompatibel mit OS/2 1.3 - einer früheren Entwicklung von Microsoft mit IBM zusammen - basiert es grundlegend auf 32-Bit und auf einer durchgängigen grafischen Benutzerführung. Die Installation von NT ist auch ohne ein bereits vorhandenes DOS möglich. Aus diesen Gründen kann erst NT als erstes (Windows-) Betriebssystem bezeichnet werden. Windows NT (oder OS/2, wie man's lieber sieht) ist der wahre Urvater unseres heutigen Windows XP/Vista/7/8, nicht Windows 1.x bis 3.x, 95, 98 oder ME (s.a. Grafik ganz unten).
3. Natürlich ist mir klar, das noch so mancher Anwender Windows XP auf seinem Rechner benutzt und von daher diese Software noch nicht direkt historisch ist. An dieser Stelle sollen jedoch alle bereits ausgelaufenen Windows-Versionen aufgelistet werden, und bald wird auch XP, Vista bzw. Windows 7 hier auftauchen. Es werden alle uns bekannten Pakete dargestellt, die speziell von Microsoft als Ergänzung für Windows entwickelt oder als Paket zusammen mit Windows verkauft wurden.
4. Die Grundlage für die nachfolgenden Abbildungen sind die eingescannten Originalkartons der Software. Diese können noch in Folie eingeschweißt sein oder sich auch in abgenutzten Zustand befinden, beides wirkt sich negativ auf die Qualität der Abbildungen aus. In jedem Fall ist alles, was abgebildet ist, auch in der Sammlung vorhanden.

4a. Was es bereits ab den ersten DOS Versionen Versionen schon gab, waren die so genannten OEM Versionen (Original Equipment Manufacturer). Wie bei DOS wurden diese Versionen von Windows wurden zusammen mit der jeweiligen Hardware des Herstellers ausgeliefert und konnten sich von den Originalversionen unterscheiden. Oftmals waren sie lediglich mit einem herstellerspezifischem Startscreen versehen, manchmal (z.B. bei Siemens, Compaq..) waren die Änderungen auch weitreichender und an die spezielle Hardware angepasst, indem z.B. Gerätetreiber vorinstalliert wurden. Für die Hardware-Hersteller bestand der größte Vorteil der OEM-Versionen darin, das sie billiger von Microsoft zu beziehen waren als die Vollversionen (Retail). Bis ca. Windows 3.0 wurden von den Hardware-Herstellern oft noch der Aufwand betrieben, die OEM Versionen mit herstellereigenen Handbüchern auszuliefern, oft mit teuren Schubern in Ringordnern. Später - mit zunehmendem Preiskampf - verbilligte man das Ganze, in dem Microsoft in Plastikfolie verschweißte Standart-Pakete schnürte, die ein universelles Handbuch enthielten, die Datenräger und ein Lizenzabkommen. Fast immer enthielten die Packungen den Hinweis 'Darf nur mit einem neuen PC vertrieben werden' oder einen ähnlichen Satz. Diese Pakete wurden den Rechnern beigelegt. Später reduzierte man auch die beigelegten Handbücher auf eine Installationsanleitung, das Handbuch war nur noch auf der Installations-CD in elektronischer Form enthalten. Leider sind nur noch wenige dieser OEM-Versionen erhalten, da die Plastikfolie empfindlich ist und die Pakete daher oftmals aufreissen.

Top Die Vorgeschichte
Bereits Ende 1982 nahm Microsoft das Projekt "Interface Manager" für den IBM PC in Angriff, mit dem Ziel, eine Grundlage für grafische Anwendungen zu schaffen. Ob letztendlich Apple mit seiner Lisa, Xerox (mit seiner frühen GUI "PARC") oder das auf der Comdex 1982 vorgestellte VisiOn der Fa. VisiCorp (bei deren Produktpräsentation saß Bill Gates nachweislich im Zuschauerraum) für Microsoft der Grund war, die Entwicklung einer eigenen GUI einzuleiten, wird sich wohl nicht mehr klären lassen. Jedenfalls, der "Interface Manager" sollte endlich ein einheitliches Erscheinungsbild der Programme gewährleisten und den Anwender davon befreien, für jedes einzelne Programm Drucker und Bildschirmauflösung einrichten zu müssen. Ein Team von 20 Programmierern fing mit der Entwicklung an und arbeitete praktisch Tag und Nacht, das Projekt hatte oberste Priorität. Auch andere Firmen wie Quarterdeck (DESQview), Digital Research (GEM) und IBM (TopView) bastelten an ähnlichen Projekten. Apple lieferte seine GUI seit Ende 1983 zusammen mit der legendären Lisa bereits aus. Als im Oktober 1983 auch VisiCorp mit der Auslieferung von VisiOn begann, beeilte man sich bei MS, einen weiteren verbindlichen (oder eher strategischen?) Auslieferungstermin für das inzwischen umgetaufte "Microsoft Windows" bekannt zu geben. Etwas voreilig, wie sich bald herausstellte. Im Oktober 1984 mußte Microsoft - jetzt unter großem Imageverlust - die Freigabe endgültig auf Mitte 1985 verschieben. Doch Bill Gates hatte vorgesorgt und frühzeitig eine stattliche Anzahl von namhaften Firmen um sich gesammelt, die sein zukünftiges "Windows" unterstützten: u.a. Compaq, TI, HP, Tandy, Zenith und DEC. Ab Anfang 1985 stellte auch Digital Research sein GEM fertig und begann mit der Auslieferung. Doch wie vorher der VisiCorp gelang es auch Digital Research nicht, namhafte Software-Hersteller davon zu überzeugen, Anwendungen auf Basis ihrer GUI zu entwickeln. Nur wenige der großen Hardware-Hersteller (u.a. Commodore, Atari, Amstrad und TI) waren des Wartens auf Windows müde und liefen zu GEM über.

Top Windows 1.0x
Nach 110 000 Programmierstunden war es Juni 1985 dann endlich da. Die Pressemitteilung lautete: "Microsoft liefert Windows". Es wurden zuerst aber lediglich Testversionen an Computerhersteller und die Fachpresse ausgeliefert. Und weil auf der Welt nicht nur Visionäre herumlaufen, sondern auch ein paar verfluchte Praktiker, wurde in so mancher Fachzeitschrift die Gretchenfrage gestellt: für was soll Windows eigentlich gut sein?

Nicht ganz unberechtigt, denn echte Programme für Windows 1.0x waren zunächst nicht verfügbar, außer den im Lieferumfang enthaltenen "Write" und "Paint". Der einzige echte Vorteil war die Möglichkeit, mehrere MS-DOS-Anwendungen starten zu können und zwischen ihnen hin- und herzuschalten. Windows war in dieser ersten Version noch nicht in der Lage, mehrere Tasks gleichzeitig auszuführen. Nur die aktive Anwendung lief wirklich, die Anwendungen im Hintergrund wurden angehalten. Und Windows war langsam, ein Rechner der AT-Klasse mußte es schon sein. Ein Farbmonitor mit EGA-Karte war empfehlenswert. Wegen dieser für damalige Verhältnisse hohen Hardwareansprüche und den fehlenden Windows-Programmen lief der Absatz sehr stockend an.

Hier Steve Ballmer in einem Werbefilm und in seiner unnachahmlichen, leicht verrückten Art, Software zu präsentieren (Quelle www.youtube.com)


Die Neuentwicklung für bzw. die Umsetzung bestehender zeichenorientierter Programme auf das grafische Windows-GUI war schwierig. Zur Unterstützung der Entwickler gab es ein sogenanntes Windows-SDK:

Ob es ein Windows 1.00 jemals gegeben hat, kann ich nicht bestätigen, ich habe noch keine derartige Version gesehen. Vermutlich war die Version 1.01 die erste Version, die ausgeliefert wurde. Mit der Version 1.02 wurde Windows internationalisiert, unterstützte mehr Hardware und Adobe's Postscript. Auch ist nicht klar, ob diese Version nur in Europa erschienen ist. Für die Version 1.03 (erschien Ende 1986) wurde lediglich noch Unterstützung für die damals bei großen US-Firmen sehr verbreiteten AT&T-PC's sowie ein paar zusätzliche Schriftarten und Gerätetreiber eingebaut. Noch im Frühjahr 1987 - also nur ein halbes Jahr vor Erscheinen von Windows 2.0 - wurde eine an die neue IBM PS/2 PC-Familie angepasste Version 1.04 herausgegeben.

Wenn man die deutschsprachigen Computerzeitschriften der Jahre 1986 und 1987 (Chip, Computer persönlich, mc) durchforstet, dann fällt auf, das man wenig Werbung für Windows 1.x darin findet. Zudem gab es anfangs sehr wenig spezielle Windows-Software. Natürlich findet man fast in jeder Zeitschrift wenigstens einen Testbericht von Windows 1.x. Eines der ersten speziellen Programme für Windows 1 ist "In-a-Vision" von Micrografx (später "Designer"). Erst ab Mitte 1986 tauchen dann weitere spezielle Windows-Entwicklungen auf. Was hat Microsoft's grafische Benutzeroberfläche damals gekostet? Auch das war schwierig festzustellen, denn es gab nicht viele Softwarehändler, die in Zeitschriften inserierten und noch weniger solche, die Windows 1.x anboten. Nachfolgend zwei Anzeigen aus der Zeitschrift Chip:

Für die ganz jungen Leser: die Preise sind in DM. Im zweiten Angebot rechts von 1987 wird Windows schon um 60 DM billiger angeboten. Die erste Firma, die in Deutschland, die einen PC (PC compact) neben dem obligatorischen DOS auch mit Windows auslieferte, war der holländische PC-Hersteller Tulip.


Top Windows 2.0
Da der Erfolg bei Windows ausblieb und viele Programmierkapazitäten durch die OS/2 Entwicklung (die MS damals zusammen mit IBM betrieb) gebunden waren, verlor Windows bei Microsoft seine Prioräten. Nur noch wenige Entwickler beschäftigten sich mit dessen Weiterentwicklung. Das erklärt, warum Windows 2.0 erst im Herbst 1987 auf den Markt kam. Die Neuerungen beschränkten sich zwar weitgehend auf die Benutzeroberfläche (identisch zum "Presentation Manager" des in der Entwicklung befindlichen OS/2), diese waren jedoch umfassend: überlappende und in der Größe veränderbare Fenstern, VGA-Grafik Unterstützung, Pif-Dateien und Icons für Programme und Dateien. Das DOS-Fenster zum Starten und Verwalten von Programmen blieb praktisch unverändert. Damit Programme untereinander Daten austauschen konnten, wurde DDE (Dynamic Data Exchange) eingeführt.

Prompt fielen Apple Ähnlichkeiten zur eigenen (zweifellos genialen) Benutzeroberfläche auf, die bis zu diesem Zeitpunkt als GUI-Standard galt. Obwohl ein Vertrag zwischen Apple und MS bzgl. der Nutzung von überlappenden Fenster und der Pull-Down Menüs in Windows bestand, war Apple der Meinung, Microsoft hätte mehr übernommen als vertraglich vereinbart. Die damalige Reaktion von Apple wird verständlicher in Anbetracht der Tatsache, das die Akzeptanz für Windows mit der langsam zunehmenden Anzahl von Applikationen wuchs, was für Apple natürlich eine direkte Konkurrenz bedeutete. Konkurrenz zum einen, weil jetzt mit Windows ausgestattete Rechner von der Bedienerfreundlichkeit her den Mac's recht nahe kamen. Zum anderen, weil viele Softwarehersteller, die bis dato ausschließlich grafische Produkte für den Mac herstellten, diese nun auf Windows portieren wollten und dadurch die Anzahl der für Windows verfügbaren Software noch weiter steigen würde. Es kam zu einem langwierigen Rechtsstreit, der bis 1992 dauern sollte.

Was war 1989 bereits an leistungsfähigen Programmen für Windows auf dem Markt (u.a.):

Micrografx In-a-Vision (1985, Vektorgrafikprogramm)
PC Paintbrush (1988, Malprogramm)
Omnis Quartz (1989, Datenbank, Entwicklungssystem)
Gupta SQL Windows (1988, Datenbank, Entwicklungssystem)
Microsoft Excel (1987, Tabellenkalulation)
Microsoft Word für Windows (1989, Textverarbeitung)
Aldus Pagemaker (1987, DTP)
Actor (1988, Objektorientierte Entwicklungsumgebung)
Samna Ami Pro (1989, Textverarbeitung)
Siemens Comfotext (1987, Textverarbeitung)
Windows Draw (1987, Zeichenprogramm)
Windows Designer (1987, Zeichenprogramm, Nachfolger von In-a-Vision)

sowie natürlich das Windows SDK von Microsoft zur Erstellung von Windows Programmen. Dennoch liefen die weitaus meisten Programme noch zeichenorientiert unter DOS. Man muss bedenken, das zu dieser Zeit die meisten PC's noch auf einer 8088 und 80286 CPU basierten. Farbmonitore wurden nur mit teureren High-End PC's standardmäßig ausgeliefert. Viele DOS Programme waren 1989 auch ohne GUI bereits "mausbedienbar", der Verbreitungsgrad dieses Eingabemediums stieg daher stark an. Leistungsfähige Grafikkarten waren jedoch noch enorm teuer. Die weitaus meiste Software mit grafischer Benutzeroberfläche wurde immer noch für den Apple MacIntosh entwickelt (verständlich, da gab's nämlich keine Alternative).

Nachdem Compaq es Ende 1988 geschafft hatte, den Modelltyp "Deskpro" mit dem brandneuen Intel 80386 Prozessor vorzustellen (Urversion mit 16MHz), bevor IBM das "Original" auf den Markt bringen konnte, veröffentlichte MS zusammen mit Windows 2.0 auch ein auf diesen Prozessor zugeschnittenes Windows/386. Ein wichtiges Feature dieser speziellen Windows Variante: - die Emulation mehrerer virtueller DOS Maschinen, bei der jedem gestartetem Programm bis zu 640KB Speicher zugewiesen werden kann. Dies wurde erst durch die besonderen Eigenschaften des Intel 80386 möglich. Er ermöglichte die Einführung des sogenannten "Pre-Emptiven Multitasking", wodurch Windows/386 jetzt (optional) in der Lage war, bei mehreren gleichzeitig gestarteten Tasks (Programmen) auch die im Hintergrund befindlichen weiter laufen zu lassen. Dieses Feature bedingt es geradezu, dass Windows/386 jetzt auch bis zu 16MB Speicher adressieren konnte.
 
Das normale Windows gab's natürlich weiterhin. Um wieder zu einer einheitlichen Namensgebung zu kommen, wurde die Nachfolgeversion 2.1, die ein halbes Jahr nach Erscheinen von Windows/386 auf den Markt kam, mit Windows/286 bezeichnet. Zum Verständnis: es gab also jetzt zwei Windows 2.1 Varianten am Markt: Windows/386 (für Rechner ab Intel 80386) sowie Windows/286 (für XT's und AT's).

Nachfolgend passende Prospekte von Microsoft (pdf, 1,50MB, 1,29MB):

 

Ein ungewöhnlicher Werbefilm für Windows/386 (Quelle www.youtube.com)


Auch für Windows 2.x bzw. 286/386 wurde von Microsoft - zumindest in den damaligen deutschen Fachzeitschriften, die mir zur Verfügung stehen - keine Werbung geschaltet. Doch aufgrund des inzwischen reichhalterigeren Softwareangebotes und der im Durchschnitt gestiegenen Rechnerleistung wurde es für Softwarehändler lukrativer, Windows-basierte Software und Windows selbst anzubieten. Viele der zu dieser Zeit aus dem Boden sprießenden Software-Discounter inserierten inzwischen in Zeitschriften, ein Preis für Windows 2.0/286/386 ist daher leichter zu finden als noch für Windows 1.x. Nachfolgend eine Anzeige aus der Zeitschrift Computer persönlich (1989):

Für die ganz jungen Leser: die Preise sind in DM. Beachten Sie bitte auch die viel umfangreicheren Programmangebote für die Benutzeroberfläche GEM (Digital Research), die damals in vielen Vergleichstest mit Windows konkurrierte.

 

Top Windows 3.0
Windows 3.0 erschien im im Mai 1990 und vereinte die beiden Versionen 286/386 wieder zu einer einzigen Windows Version. Der Mangel an speziellen Applikationen schien schlagartig kein Problem mehr zu sein, denn die Einführung war von Microsoft bestens vorbereitet worden. Neue Büroanwendungen schossen plötzlich wie Pilze aus dem Boden, denn das neue Windows war schneller, farbiger, plastischer (dank 3D-Look) und stabiler. Die Unterstützung des "Protected Mode" (ab 80286) war enthalten, wodurch nun 16MB adressiert werden konnten. Drag&Drop - das Verschieben von Programmen/Dateien per Maus - wird eingeführt. Microsoft maß seiner GUI nun wieder mehr Bedeutung zu und stellte 3 Millionen Dollar für die Eröffnungsgala von Windows 3.0 zur Verfügung. Die Fachpresse urteilte überwiegend positiv. Das war er, der von MS lange erhoffte Durchbruch, finanziell und technologisch. Sonstige Erweiterungen gegenüber der Version 2.x: Farbunterstützung von mehr als 16 Farben, Netzwerkfähigkeiten, Auftrennung der Hauptfenster in einen Programm Manager (zum einfachen Ausführen der Programme über Symbole) und den Datei Manager (Kopieren, Löschen von Dateien etc.). Zudem wird ein verbessertes Speichermanagement eingeführt.

Im Windschatten des neuen und erfolgreichen Windows können sich zudem die MS-eigenen Programme Word und Excel zu Marktführern emporschwingen, gegen etablierte Konkurrenz wie Lotus, Wordperfect und MicroPro. Und das eigentlich nur, weil sie (notgedrungen) frühzeitig auf Windows 3.0 umgesetzt wurden, um gleichzeitig profesionelle Standardsoftware anbieten zu können und so die Akzeptanz der neuen Version zu steigern. Bei Microsoft hatte man erkannt, das die Zeit für grafische Benutzeroberflächen jetzt reif war. Leistungsfähige Hardware, VGA Grafikkarten und entsprechende farbfähige Monitore entwickelten sich zum Standard. Festplatten und RAM verbilligten sich, die 486'er CPU etablierte sich gerade. Die PC-Anwender erkannten diesen Leistungsüberschuß und forderten jetzt grafische, mausbasierte Programme, WYSIWYG ("what you see" (am Bildschirm) "is what you get" (auf dem Drucker)) wurde zum geflügelten Wort in den Fachzeitschriften. Dieser Forderung kam Microsoft nach. Viele andere Hersteller, die bis dahin marktführende Produkte für das zeichenorientierte DOS im Angebot hatten - wie z.B. Ashton-Tate mit dBase, Wordstar und WordPerfect mit den gleichnamigen Textverarbeitungen sowie Lotus mit der Tabellenkalkulation 1-2-3 - verschliefen diesen beginnenden Trend hin zur GUI und gerieten in den nachfolgenden Jahren ins Hintertreffen, vor allem gegenüber Microsoft.

Das Prospekt von Microsoft (pdf, 1,84MB):

Damit schnell Programme für das schöne, neue Windows auf den Markt kamen, mußte den Anwendungsentwicklern ein passendes Werkzeug zur Verfügung gestellt werden. Dies wurde über das aufwändige, aber nicht gerade billige Windows "Software Development Kit", kurz SDK, abgedeckt. Das SDK wurde zum Standard-Tool für die Windows 3.x Entwickler-Gemeinde. Optimal dazu passend natürlich die C Compiler 5.x oder 6.x von Microsoft. Kommerziell vertriebene SDK gab's natürlich auch bereits für Windows 1.x und 2.x, aber bei Weitem nicht so ausgefeilt. Dies war übrigens das letzte als eigenständiges Produkt vermarktete Windows SDK. Später in den 32-Bit Umgebungen (ab Windows NT 3.1 bzw. Windows 95) war das SDK integraler Bestandteil der jeweiligen Entwicklungsumgebungen. Ein erstes 32-Bit SDK (für das Win32s-Subsystem) existierte übrigens bereits für Windows 3.1x und war kostenlos von MS erhältlich. Um 32 Bit Programme unter diesen 16-Bit Windows Umgebungen zu betreiben, musste das Win32s Subsystem extra installiert werden.

 

Relativ schnell bemerkte man auch bei Microsoft, das Windows 3.0 Raum für viele Zusatzprodukte bot. Neben den Standard-Büranwendungen (Excel, Word) wollte man zumindest am Markt der vielen kleinen Erweiterungen und Spielen selbst partizipieren. So kam das erste "Entertainment Pack" auf den Markt, das u.a. weitere Spiele (u.a. Golf, Taipei, Minesweeper) enthielt. Ebenso gab's das "Productivity Pack". Dieses Zusatzpaket enthielt hauptsächlich Lernprogramme, die einen produktiveren Umgang mit Windows 3.0 emöglichen sollten.

 

Die Microsoft Maus gab's ja schon seit 1983, also bevor Windows oder eine andere GUI für den PC mit größerem Verbreitungsgrad auf dem Markt war (VisiOn von VisiCorp. gab's seit 1982). 1990 versuchte MS, das erfolgreiche Windows mit der Maus zu "bundeln" und dadurch auch den Absatz der eigenen Hardware anzukurbeln. Und es funktionierte!

Eine weitere, relativ unbekannte Zwischenversion von Windows 3.0 ist das sogenannte "Windows 3.0a with Multimedia Extensions". Diese Version wurde jedoch nie offiziell als eigenständiges Produkt verkauft. Lediglich OEM's lieferten diese Version zusammen mit Ihren Rechnern aus. Es waren Erweiterungen für CD-ROM Laufwerke und Soundkarten enthalten, die erst in Windows 3.1 zum Standardumfang von Windows gehören sollten.

Top Windows 3.1
Nach diesem Erfolg (ca. 25 Millionen Windows 3.0 wurden angeblich an den Mann/Frau gebracht) setzte MS 1992 die noch schnellere Version 3.1 drauf. Zudem war dieses Windows auch noch etwas stabiler als Windows 3.0. Mit dieser Version beendete Microsoft die Frage, ob IBM's OS/2 vielleicht doch noch die Oberhand gewinnen könnte. Erweiterungen gegenüber der Version 3.0: Object Linking and Embedding (OLE), Multimedia Erweiterungen, TrueType Schriften, verbesserte Fehlerbehandlung und ein neu konzipierter "Datei-Manager". Die Anzahl der Windows-Installationen sollte dadurch auf über 11 Millionen steigen.

Umsteigewilligen Windows-Anwender offerierte man ein Update auf die Version 3.1. Vorausetzung war ein installiertes Windows 2.x oder 3.x. Ein fehlerkorrigiertes Zwischenupdate in Form von Windows 3.11 (nicht verwechseln mit Windows für Workgroups 3.11!) war kostenlos verfügbar und konnte auch von Microsoft FTP-Seite heruntergeladen werden. Still und leise ersetzte diese Version Windows 3.1 bei den OEM-Lieferungen. Äusserlich war die Version nicht erkennbar, denn die Verpackung entsprach der Version 3.1. Microsoft machte sich für dieses kleine Update auch nicht nicht nicht die Mühe, die üblichen weissen Aufkleber auf den Packungen zu ändern. Lediglich auf den Diskettenetiketten und - nach der Installation - in der Info-Anzeige der Programm-Managers war die Version für den normalen Anwender identifizierbar.

Für zusätzliche True-Type Font's gab es bald eine große Nachfrage, die oft von Drittherstellern befriedigt werden musste. Auch Microsoft erkannte den Markt und brachte im gleichen Jahr ein Schriftenpaket für Windows 3.1 heraus:

Ein seltenes Windows-Hardware-Bundle dürfte das nachfolgende sein: Windows 3.1 mit der Microsoft BallPoint Maus! Die Maus wird seitlich an der Tastatur oder am Laptop befestigt und eigentlich wie ein Trackball gesteuert.

 

Auch für Windows 3.1 (und WfW 3.11) wurde wieder das erfolgreiche Entertainment Pack herausgegeben. Diesmal sogar zweifach: "Entertainment Pack II" und "Entertainment Pack III". Auf beiden war wieder die erprobte Spielemischung enthalten. Die letzten Versionen übrigens, die Produktreihe wurde ab Windows 95 von den sogenannten "Plus"- Paketen abgelöst.

Dann gab's da noch ein Paket, das die multimedialen Fähigkeiten voin Windows 3.1 unterstreichen sollte: das Microsoft Windows Sound System. Auch hier wurde die Hardware in Form einer 16-Bit Soundkarte, eines kleinen Mikrofons sowie eines Kopfhörers. Dieses Paket war übrigens kein Bundle, denn an Software war nur das Soundsystem dabei, Windows 3.1 mußte man bereits besitzen.

Top Windows for Workgroups 3.1x
Schon ein halbes Jahr später erschien "Windows for Workgroups", erstmals mit Netzwerkfähigkeiten, allerdings noch recht dürftigen. TCP/IP, das wichtigste Netzwerkprotokoll (neben Novell's IPX/SPX), wurde erst später als Erweiterung nachgereicht. Trotzdem löste "Windows for Workgroups 3.1" auch auf Einzelplatz-PC's Windows 3.1 recht schnell ab. Unten ein sogenanntes "Add-On" für Windows 3.1. Es setzte installiertes Windows 3.1 voraus und erweiterte es um die Netzwerkfähigkeiten von "Windows for Workgroups".

OEM Versionen: hier zwei OEM Versionen von Windows for Workgroups 3.11 (einmal gebundelt mit MS-DOS 6.2), Vor- und Rückseite. Es handel sich jeweils um Disketten-Versionen. Beachten Sie den Hinweis 'Darf nur mit einem neuen PC vertrieben werden'.

Eine Spezialangebot von Microsoft bestand 1992 in einem Komplettangebot (Starter Kit) zur Vernetzung von 2 PC's mit WfW 3.1. Dieses Angebot enthielt neben der Software auch 2 Netzwerkkarten sowie ein Netzwerkkabel, 2 T-Verbindungsstücke, Anschlußwiderstände und sogar einen Schraubendreher.

Ende 1993 erschien die Nachfolgeversion "Windows for Workgroups 3.11", u.a. jetzt mit dem integrierten Netzwerkprotokoll TCP/IP.

Statt eines normalen Updates gab es eine WfW-Spezialversion, das sogenannte "Workgroup Add-On für Windows". Nach dessen Installation wurde aus einem Windows 3.1 ein vollwertiges WfW 3.11. Voraussetzung war jedoch eine bereits bestehende Windows 3.1- oder WfW 3.1-Installation.

Relativ unbeachtet blieb, das Windows für Workgroups 3.11 bereits in der Lage war, 32-Bit Programme abzuarbeiten (nachinstallierbares "Win32s"-Subsystem). Trotzdem kann man festhalten, das die 16-Bit Reihe der Microsoft Windows GUI, die 1985 mit Windows 1.0 begann, mit WfW 3.11 endet.

Top Microsoft Bob
1995 erschien ein weiteres, bis heute relativ unbekanntes Produkt, das als Erweiterung von Windows 3.1 (oder neuer) konzipiert war: Microsoft Bob. Die neuartige Benutzeroberfläche von "Bob" wurde als "Utopia" bezeichnet und sollte Anfängern den Umgang mit Windows erleichtern. Das Ganze war gut gemeint, der durchgängig verwendete "Comic"-Stil der Grafiken wirkt auf den ersten Blick fast schon ein bisschen kindisch. Ausgestattet u.a. mit Adressbuch, Kalender und Haushaltsmanagern brachte es auch einige spezielle Applikationen mit, die über OLE-Technik gut miteinander kommunizieren konnten. Doch "Bob" floppte, denn gerade die starke OLE-Integration stellte für die damalige Zeit hohe Ansprüche an die Hardware (mindestens 80486 CPU, 8MB RAM, 30 MB freier Festplattenspeicher). Die Software selbst war mit 100$ auch nicht gerade billig. Als Windows 95 mit seiner moderneren Benutzeroberfläche immer mehr Marktanteil erreichte, wurde "Bob" eingestellt. Da ich in 7 Jahren Suche keine deutsche Version von Bob finden konnte, ist davon auszugehen, das es in Deutschland zwar angeboten wurde, aber schon aufgrund der fehlenden Sprachanpassung praktisch überhaupt keinen Absatz fand.

 

Top Windows NT 3.1
Microsoft hatte bereits 1988 den genialen David Cutler mit der Entwicklung eines völlig neuen, plattformunabhängigen 32-Bit Betriebssystems beauftragt. Cutler war vorher bei DEC und maßgeblich an der Entwicklung des Betriebssystems VMS beteiligt (Fachleute spekulieren noch heute, wie weit das VMS-Konzept auf NT übertragen wurde). Offiziell arbeitete Cutler jedoch an einer neuen Version von OS/2 (OS/2 NT (New Technology)), um die Kooperation mit IBM nicht zu gefährden. 1989 liefen bereits erste Teile von Windows NT, die zum größten Teil in der Programmiersprache "C" programmiert wurden. Irgendwann konnte MS vor IBM nicht mehr verbergen, das heimlich an einem eigenen 32-Bit OS gearbeitet wurde und nicht an OS/2. So kam es Anfang 1991 zum Bruch zwischen MS und IBM. Auf der Comdex 1991, kann bereits eine erste Versionen des neuen OS der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ebenfalls in diesem Jahr werden erste Beta-Versionen an Entwickler ausgeliefert. Es sollte jedoch noch fast ein ganzes Jahr ins Land gehen, bevor das schon so lange angekündigte Windows NT, irritierenderweise bereits mit der Versionsnummer 3.1, im Juli 1993 auf den Markt kommen sollte. Vielleicht hat Microsoft die Versionsnummer so gewählt, weil NT über die gleiche Benutzeroberfläche wie Windows 3.1 verfügte. Aber damit enden auch schon alle Gemeinsamkeiten, denn NT wurde von Grund auf als 32-Bit Betriebssystem konzipiert (6.1 Millionen Codezeilen) und benötigte im Gegensatz zu den 16-Bit-Windows Versionen kein vorinstalliertes DOS als Systemvoraussetzung. DOS ist in NT nur noch als Software-Emulation vorhanden. Diese erste Version war übrigens noch weitgehend kompatibel zu OS/2 1.3.

Im Gegensatz zu Windows arbeitet NT mit preemptivem Multitasking. Die Stabilität im Vergleich zu Windows 3.1 nahm dadurch enorm zu, allerdings auch die Hardwareanforderungen, ein 386er mit 16MB RAM war die Minimalanforderung. NT 3.1 kann theoretisch bis zu 4GB RAM adressieren und sein Kernel ist auf Portierbarkeit auf andere Prozessortypen ausgelegt. Netzwerkunterstützung (NetBEUI, TCP/IP, IPX/SPX, DHCP) gehört bei NT zur Grundausstattung. Das Dateisystem NTFS wird eingeführt, NT unterstützt jedoch weiterhin FAT16 und HPFS (OS/2 Filesystem). Die Kompatibilität zu bestehender Software (DOS, 16Bit Windows) war gut, solange Programme nicht versuchten, direkt auf die Hardware des Rechners zuzugreifen. Der Unterschied des normalen Windows NT 3.1 zur Advanced Server Version war nicht leicht zu erkennen. Die Server Version enthielt - neben zusätzlichen Netzwerkprotokollen wie z.B. AppleTalk - vor allem einen sogenannten Domain-Controller. In einer Domain können die Benutzer zentral verwaltet werden. Die individuellen Benutzereinstellungen werden durch den Domain-Controller (i.d.R. am Server) gespeichert und sind an den Benutzer und nicht an eine bestimmte Arbeitsstation gebunden (wie es z.B. beim Arbeitsgruppen-Prinzip der Fall ist).

Top Windows NT 3.5
Ende 1994 wird Windows NT zum ersten Mal verbessert. Es erscheint mit der Versionsnnummer 3.5 (Codename Daytona, 10.1 Millionen Codezeilen) ebenfalls in einer Workstation-Version und in einer Server-Version. OLE 2.0 wird eingeführt. Der Nachfolger mit der Version 3.51 (Juni 1995) war dann eigentlich mehr ein fehlerbereinigtes Uodate. Lediglich die PCMCIA-Unterstützung wurde verbessert und eine Datenkompression eingeführt. Die PCMCIA-Implementierung setzte beim Einsatz einer einer entsprechenden Karte allerdings noch immer ein Reboot voraus.
Die Benutzeroberfläche entsprach weiterhin der von Windows 3.1.

Die ersten Versionen von Windows NT (bis 4.0) liefen übrigens auch auf MIPS, Power PC sowie DEC's Alpha Architekturen. Letzteres hatte DEC mit Microsoft ausgehandelt, da ein Gericht 1995 entschieden hatte, das Microsoft den NT-Entwickler David Cutler (und dessen Crew) illegal von DEC abgeworben hatte. Zudem hatte das Gericht Patent- und Lizenzrecht-Verletzungen aufgrund von Änhlichkeiten zwischen Windows NT und dem DEC Betriebsystem VMS festgestellt (das Cutler vorher maßgeblich mitentwickelt hatte).

OEM Versionen: hier eine OEM Version von Windows NT 3.51 Workstation, Vor- und Rückseite. Es handelt sich um eine CD-Version. Beachten Sie den Hinweis 'Darf nur mit einem neuen PC vertrieben werden'.

 

Top Windows 95
Im August 1995 erscheint nach einer riesigen Werbekampagne Windows 95 (Codename Chicago). DOS muss bei diesem Windows nun nicht mehr zwingend vorher installiert werden, obwohl es aus Kompatibilitätsgründen immer noch als Unterbau des ganzen Systems fungiert. 32Bit TCP/IP ist jetzt im Standardumfang enthalten, wodurch sich Rechner mit Windows 95 als Client-OS für verschiedenste Netzwerke durchaus anbieten. Die alte 8+3 Namenskonvention ist jetzt auch bei der DOS-basierten Windows Linie aufgehoben.

Microsoft hätte die zunehmende Verbreitung des Internets bei der Entwicklung von Windows 95 beinahe verschlafen. Erst sehr spät (als Netscape mit seinem Navigator bereits einen Riesenerfolg hatte) reagierte man und lizensierte für 2 Mio. Dollar einen Browser der der Fa. Spyglass. Dieser wurde dann als Internet Explorer 1.0 in den ersten Versionen von Windows 95 integriert. Bekanntermaßen folgte danach der mehrjährige Rechtstreit mit der US-Anklägerin Janet Reno. Hauptpunkt der Anklage war der Wettbewerbsvorteil Microsofts bei Web-Browsern gegenüber den Mitbewerbern wie Netscape durch die Integration des IE in Windows 95.

Vor allem der Internet Explorer 4.0 'krallte' sich förmlich in Windows ein. Bei seiner Installation wurden sogar Systembibliotheken ersetzt. Microsoft wollte den Entwicklungsvorsprung und die Marktanteile von Netscape unbedingt aufholen. Dies ging am leichtesten.

1995 wuchsen die Angebote des Internet sprunghaft. In diesem Jahr wurden zum Beispiel 'Ebay' und 'Amazon' gegründet.

Die Benutzeroberfläche wurde im Vergleich zu seinen Vorgängern komplett geändert, Windows 95 erweckt beim Anwender den Eindruck, als sei es bereits weitgehend objektorientiert. Mit dem Service Release 2 werden USB-Unterstützung sowie mit "FAT32" ein erweitertes Dateisystem eingeführt.

OEM Versionen: hier eine OEM Version von Windows 95 OSR2, Vor- und Rückseite. Es handelt sich um eine CD-Version.

Der Werbefilm für Windows 95 mit der Musik der Rolling Stones ("Start me up") (Quelle www.youtube.com)


Für Windows 95 Einsteiger stellte Microsoft mit Windows 95 Start! erstmals ein separat zu erwerbendes Produkt zur Verfügung, das interaktiv in die Bedienung der neuen Oberfläche einweisen sollte.

 

Ein weiteres Begleitprodukt zu Windows 95 gab es in Form Microsoft Plus!. Neben mehreren Bildschirmmotiven beinhaltete es auch einige brauchbare Programme wie den Systemdienst und Datenkomprimierung. Zudem wurde der Internet Explorer 1.0 zusammen mit diesem Paket ausgeliefert, wahrscheinlich aufgrund der andauernden Rechtstreitigkeiten mit der US-Kartellbehörde. Eine besondere Version der Plus! Paktes erschien 1997: "Microsoft Plus! for Kids". Spezielle Desktop-Themes, ein spezielles Malprogramm ("PaintIt"), das Programm "TakeIt" (gibt Text als Sprache aus) und vieles mehr.

Windows 95 Plus! for KidsWindows 95 Plus for Kids

Damit auch Windows 3.x Benutzer in den Genuss des Microsoft Web-Browsers kamen, wurde 1996 der "Internet Explorer Starter Kit" herausgegeben, der zusätzlich zum IE 3.0 (32Bit Version für Windows 95 und Windows NT 4.0) auch die 16Bit-Version 2.1 des IE enthielt. Das war (bis auf separate Internet Explorer SDK's und Installations-CD's) das letzte Mal, das der "Microsoft Internet Explorer" als separat zu erwerbendes Verkaufsprodukt erschien.

Top Windows NT 4.0
Im dritten Quartal 1996 erscheint auch NT 4.0 als Workstation und Server-Version (18.9 Millionen Codezeilen) mit der neuen Benutzeroberfläche von Windows 95. Um die Bildschirmausgabe zu beschleunigen, wurde der entsprechende Treiber in den Kernel gelegt. Dies führte zu Schwierigkeiten bei einigen Grafikkarten. Zudem wurden Änderungen im RAS (Remote Access Service) durchgeführt. Ein ziemlicher Wehmutstropfen der neuen Version war, das die Unterstützung des OS/2 Filesystem HPFS aufgegeben wurde.

Bis heute wurden 6 Service-Packs nachgeschoben (u.a. zur Unterstützung des Euro-Symbols, und 7, wenn man das 6a mitzählt), wodurch diese Version schlußendlich als hochstabil bezeichnet werden kann. Die Auslieferung wurde, obwohl der Nachfolger Windows 2000 bereits auf dem Markt war, erst im September 2001 eingestellt. Ein echter Umstiegsgrund auf Windows 2K war für viele - trotz der enormen Stabilität von NT 4.0 - die fehlende USB Unterstützung, ohne die moderne Digitalkameras, Drucker und Scanner nicht benutzt werden konnten.

OEM Versionen: hier eine OEM Version von Windows NT 4.0 Workstation, Vor- und Rückseite. Es handelt sich um eine CD-Version. Im Vordergrund eine Boot-Diskette, aber es sind noch zwei weitere CD's enthalten. Ich weiss nicht, um was es sich dabei handelt, ich müsste die Packung aufreissen :-(

 

Windows NT 4.0 wurde mit viel TamTam auf verschiedenen Messen in einer Version für die brandneue DEC Alpha Workstation angekündigt. Diese besass in der ersten Version einen RISC-Prozessor mit 266MHz, der mit "Alpha" bezeichnet wurde und bereits seit 1992 auf Unix/Linux Systemen eingesetzt wurde. Windows NT 4.0 lief neben der Alpha-CPU übrigens auch auf IBM-Power-PC und MIPS R4400. Das beweist: es hat tatsächlich mal funktioniert, was Microsoft mit NT immer versprochen hatte: dass NT auf vielen Plattformen laufen kann. Aber die Sache hatte dann doch einen Haken. Man darf sich das nicht so vorstellen, das man jetzt sein Office 95 genommen hätte, zur Alpha-Maschine mit Windows NT 4.0 rübergegangen wäre, die CD-ROM ins CD-Laufwerk gelegt hätte und dann lustig installieren hätte können. Die Betriebssystemunterlage wäre ja identisch. Aber dem ist natürlich nicht so. Windows-Programme für Intel CPU's bringen natürlich auch eigenen CPU-spezifischen Binärcode mit. Und was für Intel gut ist löst auf RISC-Maschinen einen Weltuntergang aus - und umgekehrt. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Architekturen könnten gar nicht größer sein. Offensichtlich hatte Microsoft an einer Portierung seiner Anwendungen auf die Alpha's kein gesteigertes Interesse und beließ es bei der Unterstützung von NT. Und somit gab's kein Word und kein Excel und auch sonst nicht viel schöne Windows Software für die auf jeden Fall sehr formschöne Alpha Workstation von DEC.

In eigener Sache: wenn jemand Erfahrung im Umgang mit NT 4.0 für den Alpha hat dann bitte melden. FX!32 stürzt bei mir sang- und klanglos ab, obwohl es in Testberichten als relativ stabil bezeichnet wird (NT 4.0 SP 5, FX!32 V5, MS Office 97).

Zudem erscheint 1996 Windows CE, eine resourcen-schonende Windows-Version für die sich immer mehr verbreitenden PDA-Computer. Im Unterschied zum normalen Windows konnte es statt mit der Maus und der Tastatur nur mit einem Stift bedient werden. Spezielle SDK's beinhalten Windows CE und ermöglichen die Entwicklung von CE- Applikationen am Desktop-PC. Ob Windows CE außerhalb dieser SDK's als separates Produkt erschienen ist, ist nicht bekannt.

Vorgänger von Windows CE ist "Windows for Pen Computing", das 1992 als Add-On für Windows 3.1 für sogenannte Tablet- bzw. Handheld-PC's entwickelt wurde. Microsoft musste in dieser Zeit ein Konkurrenzprodukt zum visionären PenPoint der Firma GO Corporation anbieten. Die Fachpresse sah einen riesigen Markt für Pen-gesteuerte Computer, zu dieser Zeit eine Fehleinschätzung. 1995 war der Markt für diese Geräte so gut wie nicht mehr vorhanden. Bereits 1994 wurde die Entwicklung von "Windows for Pen Computing" eingestellt. In Windows 95 waren überarbeitete Funktionen zur Pen-Steuerung nachinstallierbar.

Bereits 1998 werden die Versionen 2.0 und 2.1 von Windows CE herausgegeben.

Windows CE dient noch heute als Basis für die moderne PDA-Computergeneration, denn Microsoft Pocket PC oder das aktuelle Windows Mobile basierten bzw. basieren auf dem WinCE-Kern. CE läuft auf unterschiedlichster Hardware (Intel und sowie Risc-Systemen wie MIPS und ARM) und kann von den Herstellern individuell mit Anwendungen ausgestattet werden. Im April 2000 (Windows CE 3.0) und im Februar 2001 (Windows CE 4.0) erscheinen weitere Nachfolger.

Top Windows 98
Windows 98 (Codename Memphis) wird im Juni 1998 veröffentlicht. Der Internet Explorer 4.0 wird (angeblich) vollkommen in die grafische Benutzeroberfläche integriert, was Microsoft so manchen Ärger mit dem Browser-Marktführer Netscape einbringt. Aber durch diese enge Integration in Windows können Internet-Seiten auch auf dem (Active-) Desktop platziert werden, wodurch sich deren Inhalte sich im Falle einer Online Verbindung automatisch aktualisieren. Für das neue FAT32-Dateisystem (unterstützt Festplatten größer 2 GB), ist ein Hilfsprogramm vorhanden, das die Konvertierung bestehender Installationen von FAT16 nach FAT32 erlaubt. Zudem wurde das Powermanagement (ACPI) überarbeitet, wodurch vor allem die Verwendung von Windows in Zusammenhang mit Notebooks vereinfacht werden sollte.

1998 geht auch die Suchmaschine 'google' an den Start. Schon am Ende des gleichen Jahres hatte 'google' 60 Millionen Seiten indexiert.

OEM Versionen: hier eine OEM Version von Windows 98, Vor- und Rückseite. Es handelt sich um eine CD-Version mit Windows START und Bootdiskette.

Neue Hardware wie DVD, Firewire und AGP wird unterstützt. Erwähnenswert ist auch, das das Treiber-Modell erstmals mit dem High-End Betriebssystem Windows NT kompatibel gemacht wurde.

Auch zu Windows 98 gab es die von Windows 95 bekannten Begleitprodukte Start! sowie Plus!. Neben den Bildschirmmotiven gab es diesmal u.a. McAfee VirusScan sowie einen CD-Player.

Top Windows 98 SE (Zweite Ausgabe)
Die Auslieferung von Windows 98 SE erfolgt im Mai 1999. Während für die Vorgängerversionen Windows 95 und Windows 98 die sogenannten Plus-Pakete separat zugekauft mussten, sind diese in SE bereits integriert. Verschiedene Programme wurden überarbeitet (Paintbrush, Defragmentierer). Windows 98 SE ist die wahrscheinlich stabilste 16-Bit Windows-Version aller Zeiten.

OEM Versionen: hier eine OEM Version von Windows 98 SE, Vor- und Rückseite. Es handelt sich um eine CD-Version mit Windows START und Bootdiskette für die Firma Medion.

 

Top Windows 2000
Der lange als Windows NT 5.0 (Codename Cairo) angekündigte Nachfolger von Windows NT 4.0 ist 1999 fertig und wird ausgeliefert. Fast vollständig in C++ kodiert, mit 30 Millionen Zeilen (!) eines der größten Softwareprodukte, die bis dahin jemals produziert wurden. In den ersten beiden Beta Versionen wurde das neue Windows noch mit NT 5.0 bezeichnet, bei der Beta 3 erhielt es seinen endgültigen Namen.

Die Boot Sequence wurde überarbeitet, die Speicherverwaltung geändert, die Netzwerkfähigkeiten verbessert und endlich auch die USB-Unterstützung implementiert.

Das von Windows 98 her bekannte Filesystem FAT32 wird jetzt auch von Windows 2000 unterstützt. Der neue "Windows Installer" soll die saubere installation und Deinstallation von Programmen gewährleisten und die Nachinstallation von benötigten Moduln vereinfachen. Zudem wurde - nicht so ganz überraschend - die Unterstüzung der Alpha-CPU aufgegeben.

Top Windows ME
Das letzte Windows (ME steht für Millenium Edition), das MS/PC-DOS als Grundlage benutzt, wird ausgeliefert. Der DOS-Modus selbst wurde bei ME allerdings entfernt. Mit ME endet zudem der 16Bit-basierte Zweig des Windows Baums. Als wichtigste Neuerung in ME sei das "System Recovery" angeführt. Diese Funktion stabilisiert das Betriebssystem, indem es sicherstellt, das die Systemdateien den für einen ordnungsgemäßen Betrieb benötigten Versionen entsprechen. Ansonsten wurden lediglich einige Multimedia Erweiterungen (u.a. Videoschnitt) als Verbesserungen gegenüber der Vorgängerversion Windows 98 SE eingebaut.

Mit Windows ME endet der Zweig von Windows, der auf MS-DOS als Grundlage beruht. Das nachfolgende Windows XP kommt aus der Windows NT/2000 Linie und hat als Gemeinsamkeit mit dem 16-Bit Zweig nur das Design der grafischen Beutzeroberfläche.

Bis heute verwenden mehr als 1 Milliarde Menschen Produkte der Firma Microsoft.

"Wir haben bei der Entwicklung von Windows wie die Tiere geschuftet"
Neil Konzen, langjähriger Mitarbeiter von Microsoft

"Windows gibt den Blick frei auf die Zukunft der Integration"
PC World, Dezember 1985

Die Reihe wird demnächst mit Windows XP, Vista und Windows 7 fortgesetzt !


Copyright @ 2007 Wolfgang Kainz-Huber

Der Autor hat zwar im Rahmen seiner Möglichkeiten sorgfältig recherchiert, kann aber keine Verantwortung für die Richtigkeit der Angaben übernehmen.

Quellen: Die Microsoft Story, Daniel Ichbiah, ISBN 3-593-34806-3
Die Microsoft Akte, Wendy Goldmann Rohm, ISBN 3-612-26672-1